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Pinkeln on demand: das versenkbare Urinal.
Foto: dpa

Notdurft Pipifax für Pinkelpausen

Hydraulisch versenkbare Urinale sollen die Amüsierviertel in britischen und niederländischen Städten sauberer machen.

Von Anja Burkel

Ende einer englischen Pubnacht: Der Geist ist trüb, die Wohnung weit und das kleine Bedürfnis groß. Schon plant der Kneipengänger, sich an einer Hauswand zu erleichtern – da steigt ein vermeintlicher Gullideckel wie ferngesteuert himmelwärts. Unter ihm fährt langsam eine beleuchtete Pissoir-Säule aus glänzendem Metall zwei Meter in die Höhe.

Keine dem Alkohol geschuldete Halluzination, sondern eine Neuheit des öffentlichen Toilettenwesens: Das versenkbare Urinal, kurz "Urilift". Die Erfindung aus den Niederlanden ist seit kurzem auch bei den ausgehfreudigen Briten im Einsatz. Mit öffentlichen Männertoiletten, die tagsüber diskret in der Erde verschwinden, wollen englische Städte Anstand und Sauberkeit in allzu beliebte Kneipengegenden bringen.

Fünf versenkbare Urinale im Einsatz
In den Niederlanden, der Heimat des Urilift-Patenthalters, gibt es bereits 50 solcher Stehtoiletten. Das Prinzip: Eine ferngesteuerte Hydraulikpumpe befördert das Pissoir an die Erdoberfläche. Der Zylinder aus rostfreiem Stahl hat rundum Buchten, in denen sich drei Männer erleichtern können – gleichzeitig und ohne peinlichen Blickkontakt.

Das Urinal ist an den entscheidenden Stellen beleuchtet, Extras wie Waschbecken und Beschilderung fehlen hingegen: "Die Kunden wissen instinktiv, was zu tun ist", heißt es auf der Internetseite des Herstellers. Im Morgengrauen versinkt das Stehklo im Erdboden – und ist tagsüber nur durch die runde Steinplatte zu orten, die an einen Gullideckel erinnert.

Fünf versenkbare Urinale sind in Großbritannien im Einsatz – meist auf Initiative der Stadtverwaltungen: Jeweils zwei in London und Reading, eines in Durham. Dort richteten die Betreiber einer Pubkette den umgerechnet 30000 Euro teuren Urilift ein.

Unisex-Alternative bisher nur in den Niederlanden
"Die Clubgäste", erklärt Pubmanager Tim Velema, "scheuen sich gar nicht, die Toilette zu benutzen." Für Wartung und Unterhalt zahlt die Stadt, deren Sprecher Ed Tutty erklärt: "Das Pop-up-Klo liegt in einer Straße mit sieben Pubs. Es hat der Gegend gut getan. Sonst würden die Leute in Hauseingänge, Vorgärten oder gegen Wände urinieren."

Freitags und samstags erhebt sich das Klosett um 22 Uhr automatisch aus dem Asphalt, um morgens um drei Uhr wieder zu versinken. Nach Angaben des Herstellers spült und desinfiziert es sich von allein; tatsächlich ist Geruchsentwicklung jedoch bisher nicht vollständig zu vermeiden.

Vor allem das in England um sich greifende "Binge-Drinking", ein besonders heftiges Gruppengelage, dürfte dem diskreten Pissoir zum Erfolg verholfen haben. Für Frauen, die sich – etwa bei den "Hen Nights", dem weiblichen Pendant zum Junggesellenabschied, mitunter ebenfalls gern betrinken, gibt es jedoch noch keine Möglichkeit, sich auf der Straße zu erleichtern.

Die Unisex-Alternative des Herstellers, versenkbare Sitzklos mit abschließbarer Tür, sind bislang erst in niederländischen Städten installiert.

Welt Online: Versenkbares Straßenklo

Hydraulische Urinale sollen Kneipenviertel in Amsterdam sauber halten

Gleich zwei Missstände in belebten Kneipenvierteln will Erfinder Marco Schimmel aus den Niederlanden beheben: Vandalismus an Toilettenhäuschen und penetranten Gestank durch unbotmäßiges Wasserlassen an Häuserwänden der Seitenstraßen. Sein Rezept: in der Erde versenkbare Straßenklos.

Die so genannten Urilifts (www.urilift.com) bestehen aus rostfreiem Stahl. Sie müssen daher wenig gewartet werden. Außerdem verzichtet der Hersteller auf Extras, die leicht zu beschädigen wären. Die robuste Kabine können drei Leute gleichzeitig - und ohne Sichtkontakt - benutzen. Wer Drang verspürt, drückt auf einen Knopf einer Fernbedienung, die in der Nähe - zum Beispiel an einem Laternenpfahl - angebracht ist. Eine hydraulische Pumpe fährt das Urinal nach oben. Eine Sensorplatte verhindert das Ausfahren, wenn sich Passanten über der Öffnung befinden. Eine weitere Vorsichtsmaßnahme soll vor grobem Unfug schützen: Solange sich Personen in der Kabine aufhalten, ist das Einfahren blockiert. Erst nach Verlassen lässt die Technik das Versenken zu.

Der Urilift ist direkt an das Wasser- und Abwassernetz angeschlossen und säubert sich selbst. Möglich ist dies auch über Wassertanks oder reinigende Chemikalien. Strom kommt ebenfalls über das städtische Netz. Elektrizität benötigt die Kabine für Licht und Heizung, um auch im Winter bei verschneitem oder vereistem Bürgersteig beweglich zu sein.In London und Reading hat die Stadtverwaltung bereits Urilifts im Einsatz - und sie ist damit zufrieden. Die Kabinen zerstören nicht das Straßenbild, sind nur zu sehen, wenn sie auch tatsächlich benutzt werden. Danach verschwinden sie wieder unsichtbar im Erdreich. Dadurch stören sie nicht bei Straßenbauarbeiten, zumal sich die Kabinen ganz ausfahren und entfernen lassen. Ein weiterer Vorteil: Urilift wird dort platziert, wo viele Menschen abends unterwegs sind und werden nicht in dunklen Seitengassen versteckt.

Nachdem in England auch immer mehr Frauen an so genannten Hen Nights heftig betrunken durch Kneipenviertel ziehen, ist die Nachfrage nach ähnlichen Kabinen für Frauen gestiegen. Das Ergebnis: Urilady. Das Prinzip ist gleich, nur die Ausstattung unterscheidet sich. Es sind Sitzklos mit verschließbarer Tür.